Die Universität Zürich hat im Februar 2026 wissenschaftlich belegt (Science Advances): Entscheidungen, die andere Menschen betreffen, erzeugen weniger innere Sicherheit – selbst dann, wenn die Sachlage klar ist. Die Folge: Verzögerung, Delegation, Lähmung. Tragfähige Entscheidungsfindung beginnt deshalb nicht mit mehr Analyse – sondern mit Klarheit über Verantwortung, Rolle und den eigenen Entscheidungsprozess.
Quelle: Bao, Edelson & Hare, Universität Zürich, Science Advances, Februar 2026. DOI: 10.1126/sciadv.ady0441
Es ist kein Ausnahmefall mehr. Es ist ein Muster.
Führungsteams, die sich im Kreis drehen. Gremien, die sich abstimmen, ohne zu beschliessen. Prozesse, die laufen – und trotzdem nichts erzeugen. Nicht weil die Menschen unfähig wären. Sondern weil die Organisation verlernt hat zu entscheiden.
Entscheidungen werden riskanter, je komplexer die Welt wird. Wer entscheidet, trägt Verantwortung. Wer Verantwortung trägt, kann scheitern. Also verteilt man sie – auf viele Schultern, auf Prozesse, auf das nächste Meeting. Die Verantwortung diffundiert. Und am Ende hat sie niemand mehr.
Das ist kein Versagen einzelner Menschen. Es ist ein hochintelligenter Schutzmechanismus – und er lähmt Organisationen.
Hinzu kommt eine Entwicklung, die ich seit Jahren beobachte: Partizipation als Kultur hat viel Gutes gebracht. Aber sie hat einen Preis. Wenn alle beteiligt werden, wird es schwieriger, klar zu entscheiden. Das Alignment wird zum Selbstzweck. Der Konsens ersetzt die Entscheidung. Und die Organisation bewegt sich nicht mehr.
Eine Organisation, die nicht entscheidet, verliert nicht nur Zeit. Sie verliert Orientierung. Die besten Menschen verlassen sie zuerst – weil sie nirgendwo ankommen. Die anderen bleiben und lernen, dass es nichts bringt, Haltung zu zeigen.
Entscheidungsunfähigkeit ist keine Momentaufnahme. Sie ist ein Muster, das sich in die Kultur einschreibt.
Ich bin Organisationsentwickler. Ich arbeite nicht an Symptomen ich arbeite an Strukturen, an Rollen, an Kultur. Und an der Haltung von Menschen, die entscheiden müssen und es nicht mehr tun.
Das kann bedeuten: klären, wer in dieser Organisation überhaupt entscheiden darf und wer das Mandat hat, aber nicht nutzt. Es kann bedeuten: herausfinden, warum ein Team sich im Kreis dreht – und was hinter der Blockade steckt. Oder: eine Führungskultur entwickeln, in der Entscheidungen wieder möglich werden, ohne dass jede davon zum Risiko wird.
Ich mache das nicht als Methodenprogramm. Sondern als Begleitung – präzise, direkt, auf den konkreten Kontext zugeschnitten.
Ich freue mich.
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