Die Weitergabe eines Unternehmens ist keine Transaktion. Sie ist eine der schwierigsten Entscheidungen, die ein Eigner trifft. Entscheidungsarchitektur schafft den Rahmen dafür.
Unternehmensnachfolge: Eine Frage der Entscheidung.
Die Weitergabe eines Unternehmens ist keine Transaktion. Sie ist eine der schwierigsten Entscheidungen, die ein Eigner trifft.
Ich begleite Unternehmensnachfolgen seit 25 Jahren. Und ich beobachte jedes Mal dasselbe.
Die fachlichen Fragen sind lösbar. Bewertung, Struktur, Steuern, Verträge. Dafür gibt es Experten.
Was nicht gelöst werden kann: die Entscheidungsfrage. Wer gibt ab? Wann? An wen? Unter welchen Bedingungen?
Warum Nachfolge so schwer fällt.
Die Universität Zürich hat im Februar 2026 in Science Advances gezeigt: Sobald Entscheidungen andere Menschen betreffen, verändert sich die Selbstwahrnehmung der entscheidenden Person. Die Entscheidungssicherheit nimmt ab, obwohl die tatsächliche Entscheidungsqualität gleich bleibt.
Bei der Unternehmensnachfolge betrifft die Entscheidung fast immer andere. Die Familie. Die Mitarbeitenden. Den Nachfolger. Die Region.
Das erklärt, warum Nachfolgeregelungen jahrelang aufgeschoben werden. Nicht weil die Optionen fehlen. Sondern weil die innere Klarheit zur Entscheidung noch nicht da ist.
Was die Zahlen zeigen.
Die Basler Kantonalbank hat im Sommer 2025 163 KMU in Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Solothurn und Aargau befragt. Das Ergebnis bestätigt, was in der Begleitung von Nachfolgen täglich sichtbar wird:
- Für viele KMU stellt die ungelöste Nachfolge die grösste wirtschaftliche Herausforderung der kommenden Jahre dar.
- Die Mehrheit der betroffenen Betriebe sind Babyboomer-Unternehmen, Inhaberinnen und Inhaber kurz vor der Pensionierung.
- Zwei Drittel der befragten Unternehmen haben sich bereits mit der Nachfolge befasst. Rund die Hälfte konnte intern gelöst werden.
- Fehlt eine Nachfolgelösung, droht nicht selten die Liquidation mit direkten Folgen für Mitarbeitende, Zulieferbetriebe und die regionale Wertschöpfung.
- 91 Prozent der befragten Unternehmen nannten mehrere Erfolgsfaktoren für eine gelingende Nachfolge. 48 Prozent nannten sogar mehr als fünf. Das zeigt: Nachfolge ist kein einzelner Entscheid. Es ist ein Prozess der Entscheidungsarchitektur braucht.
Was Entscheidungsarchitektur leistet.
Entscheidungsarchitektur schafft den Rahmen, in dem die eigentliche Entscheidung möglich wird. Das bedeutet:
- Klarheit über Werte und Ziele.
- Klarheit über Rollen im Prozess.
- Klarheit darüber, wer was entscheidet und wer Konsequenzen trägt.
- Nicht die beste Lösung finden. Sondern die Bedingungen schaffen, unter denen eine tragfähige Entscheidung möglich ist.
Was das für Eigner:innen bedeutet.
- Wer ein Unternehmen weitergeben will, braucht selten mehr Analyse.
- Wer nach zehn Jahren Vorbereitung immer noch nicht entschieden hat, braucht einen anderen Zugang. Nicht mehr Information. Sondern Klarheit über die eigene Haltung zur Verantwortung.
Daran arbeite ich. Seit 25 Jahren.
Quellen:
- Bao, Edelson & Hare (2026). Deciding for others alters metacognition leading to responsibility aversion. Science Advances, Vol. 12, Issue 9, 25. Februar 2026. Zürich Center for Neuroeconomics, Universität Zürich.
- Basler Kantonalbank (BKB): «Nachfolgeplanung von KMU in der Nordwestschweiz». Online-Befragung von 163 KMU in den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Solothurn und Aargau. Sommer 2025. Ergänzend: drei qualitative Interviews mit Unternehmen nach erfolgreich geregelter Nachfolge. Publikation: Oktober 2025
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