27. März 2026

KI empfiehlt. Wer entscheidet?

KI wird im Strategieprozess unverzichtbar. Das zweifle ich nicht an. Was ich anzweifle: dass sie das eigentliche Problem löst. Denn je mehr Optionen auf dem Tisch liegen, desto schwerer fällt die Entscheidung. Nicht weil die Grundlage fehlt. Sondern weil die Bereitschaft fehlt, sich festzulegen. Das ist die Führungsaufgabe, die keine Maschine übernehmen kann

Mehr Analyse. Weniger Entscheidung.

Ich begleite Geschäftsleitungen in Strategieprozessen seit 25 Jahren. Was ich dabei beobachte, hat sich in einer Hinsicht verändert: Die Datenlage ist besser geworden. Die Bereitschaft, sich darauf festzulegen, nicht.

Mehr Szenarien, mehr Optionen, mehr Vergleiche. Und am Ende: Wir brauchen noch etwas Zeit.

KI beschleunigt diesen Prozess. Sie liefert in Minuten, wofür früher Wochen gebraucht wurden. Aber sie löst das Kernproblem nicht. Sie verstärkt es. Denn je mehr Optionen auf dem Tisch liegen, desto unbequemer wird die Frage: Und jetzt?

Die eigentliche Zumutung.

Der kritische Faktor im Strategieprozess ist nicht die Qualität der Analyse. Es ist die Bereitschaft, sich festzulegen.

Strategie ist eine Festlegung. Eine Organisation sagt nicht nur, was möglich wäre. Sie sagt, was sie will. Und was sie dafür aufgibt.

Das ist die Zumutung. Nicht das Dashboard. Nicht der Algorithmus. Die Zumutung heisst: Ich lege mich fest. Auf eine Richtung. Auf eine Option. Auf ein Nein zu allem anderen.

KI kann diese Zumutung vorbereiten. Abnehmen kann sie sie nicht.

Was ich in der Praxis sehe.

Führungsteams, die KI im Strategieprozess einsetzen, laufen Gefahr, Analyse mit Entscheidung zu verwechseln. Das System hat drei Szenarien entwickelt, das Wahrscheinlichste berechnet, das Risikoprofil erstellt. Was nun?

Jetzt beginnt Führung.

Die Universität Zürich hat 2026 in Science Advances belegt: Sobald eine Entscheidung andere Menschen betrifft, sinkt die metakognitive Sicherheit der entscheidenden Person, auch wenn die Entscheidungsqualität objektiv gleich bleibt. Verantwortung belastet. Das ist menschlich. Und es erklärt, warum Führungspersonen lieber noch eine Analyse in Auftrag geben, als sich festzulegen.

KI macht diesen Mechanismus nicht kleiner. Sie macht ihn komfortabler.

Strategie ist eine Willenserklärung.

KI wird im Strategieprozess künftig unverzichtbar sein. Das zweifle ich nicht an.

Was ich anzweifle: dass sie das eigentliche Problem löst. Strategie ist keine Rechenaufgabe. Sie ist eine Willenserklärung.

Eine Organisation sagt, wer sie sein will. Und wer das nicht sagen kann oder will, hat kein KI-Problem. Er hat ein Führungsproblem.

Das war vor ChatGPT usw. so. Das ist heute so. Und das wird morgen so sein.

Drei Punkte

  • Klären Sie, wer in Ihrem Strategieprozess entscheidet. Nicht: Wer ist beteiligt. Sondern: Wer legt sich fest?
  • Nutzen Sie KI als Informationsquelle, nicht als Entscheidungsinstanz. Der Unterschied ist nicht technisch. Er ist eine Frage der Haltung.
  • Machen Sie die Bereitschaft zur Festlegung zum Thema im Führungsteam. Nicht einmalig. Regelmässig.

Wer die KI-Empfehlung umsetzt, ohne sie zu hinterfragen, hat nicht entschieden. Er hat ausgeführt.

Daran arbeite ich. Seit 25 Jahren.

Aus der Praxis

Was mich Eigner:innen und Entscheider:innen dazu wirklich fragen:

  • «Unsere Geschäftsleitung hat KI im Strategieprozess eingeführt. Trotzdem kommen wir bei zentralen Entscheidungen nicht voran. Warum?»
  • Weil KI das Entscheiden nicht abnimmt. Sie macht es sichtbarer. Wenn Führungsteams feststellen, dass sie trotz besserer Datenlage nicht entscheiden, liegt das selten an der Datenlage. Es liegt an ungeklärter Verantwortung, an Angst vor dem Nein zu guten Optionen, an der fehlenden Bereitschaft, sich wirklich festzulegen.
  • Das ist kein KI-Problem. Das ist Führungsarbeit.

Quelle

Bao, S.D., Edelson, M.G. & Hare, T.A. (2026). Deciding for others alters metacognition leading to responsibility aversion. Science Advances, Vol. 12, Issue 9. Universität Zürich. Weiterführend: osb international, KI im Strategieprozess. osb-i.com/de/publikationen

KI & Führung:

Beratung und Coaching: bernhardschweizer.ch/angebot/ki-fuhrung/

Entscheidungsfindung und Entscheidungsarchitektur: bernhardschweizer.ch/fur/entscheidungsfindung/

Für Entscheider:innen in Schweizer KMU: bernhardschweizer.ch/fur/entscheiderinnen/

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