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Ich begleite Geschäftsleitungen in Strategieprozessen seit 25 Jahren. Was ich dabei beobachte, hat sich in einer Hinsicht verändert: Die Datenlage ist besser geworden. Die Bereitschaft, sich darauf festzulegen, nicht.
Mehr Szenarien, mehr Optionen, mehr Vergleiche. Und am Ende: Wir brauchen noch etwas Zeit.
KI beschleunigt diesen Prozess. Sie liefert in Minuten, wofür früher Wochen gebraucht wurden. Aber sie löst das Kernproblem nicht. Sie verstärkt es. Denn je mehr Optionen auf dem Tisch liegen, desto unbequemer wird die Frage: Und jetzt?
Die eigentliche Zumutung.
Der kritische Faktor im Strategieprozess ist nicht die Qualität der Analyse. Es ist die Bereitschaft, sich festzulegen.
Strategie ist eine Festlegung. Eine Organisation sagt nicht nur, was möglich wäre. Sie sagt, was sie will. Und was sie dafür aufgibt.
Das ist die Zumutung. Nicht das Dashboard. Nicht der Algorithmus. Die Zumutung heisst: Ich lege mich fest. Auf eine Richtung. Auf eine Option. Auf ein Nein zu allem anderen.
KI kann diese Zumutung vorbereiten. Abnehmen kann sie sie nicht.
Führungsteams, die KI im Strategieprozess einsetzen, laufen Gefahr, Analyse mit Entscheidung zu verwechseln. Das System hat drei Szenarien entwickelt, das Wahrscheinlichste berechnet, das Risikoprofil erstellt. Was nun?
Jetzt beginnt Führung.
Die Universität Zürich hat 2026 in Science Advances belegt: Sobald eine Entscheidung andere Menschen betrifft, sinkt die metakognitive Sicherheit der entscheidenden Person, auch wenn die Entscheidungsqualität objektiv gleich bleibt. Verantwortung belastet. Das ist menschlich. Und es erklärt, warum Führungspersonen lieber noch eine Analyse in Auftrag geben, als sich festzulegen.
KI macht diesen Mechanismus nicht kleiner. Sie macht ihn komfortabler.
KI wird im Strategieprozess künftig unverzichtbar sein. Das zweifle ich nicht an.
Was ich anzweifle: dass sie das eigentliche Problem löst. Strategie ist keine Rechenaufgabe. Sie ist eine Willenserklärung.
Eine Organisation sagt, wer sie sein will. Und wer das nicht sagen kann oder will, hat kein KI-Problem. Er hat ein Führungsproblem.
Das war vor ChatGPT usw. so. Das ist heute so. Und das wird morgen so sein.
Wer die KI-Empfehlung umsetzt, ohne sie zu hinterfragen, hat nicht entschieden. Er hat ausgeführt.
Daran arbeite ich. Seit 25 Jahren.
Was mich Eigner:innen und Entscheider:innen dazu wirklich fragen:
Bao, S.D., Edelson, M.G. & Hare, T.A. (2026). Deciding for others alters metacognition leading to responsibility aversion. Science Advances, Vol. 12, Issue 9. Universität Zürich. Weiterführend: osb international, KI im Strategieprozess. osb-i.com/de/publikationen
Beratung und Coaching: bernhardschweizer.ch/angebot/ki-fuhrung/
Entscheidungsfindung und Entscheidungsarchitektur: bernhardschweizer.ch/fur/entscheidungsfindung/
Für Entscheider:innen in Schweizer KMU: bernhardschweizer.ch/fur/entscheiderinnen/
Vertiefte Gedanken zu Wandel, Führung und Organisationsentwicklung finden Sie ebenfalls in meinen Leistungsbereichen.
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