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Viele Schweizer KMU bewältigen Krisen souverän. Bei der Frage, ob sie sich grundlegend neu ausrichten könnten, wird es still. In dieser Stille liegt das eigentliche Risiko.
Das NZZ-KMU-Barometer 2026 belegt eine Lücke zwischen operativer Stärke und strategischer Beweglichkeit. Erhoben wird es jährlich von der NZZ zusammen mit der Kalaidos Fachhochschule im Vorfeld des Swiss Economic Forum. 2026 nahmen im April 495 Personen in Führungspositionen Schweizer KMU teil, es war die sechste Erhebung. So gedämpft wie in diesem Jahr fiel die Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Lage seit dem ersten Barometer 2021 nie aus.
Im Tagesgeschäft wirken dieselben Unternehmen stabil. Eine knappe Mehrheit von rund 55 Prozent ordnet die eigene Widerstandskraft im oberen Bereich ein. Auf der strategischen Ebene kippt das Bild. Nur gut ein Viertel, etwa 27 Prozent, traut sich zu, das eigene Geschäftsmodell innerhalb eines halben Jahres von Grund auf umzubauen. Fast jedes fünfte Unternehmen könnte einen plötzlichen Umsatzrückgang kaum auffangen.
Die Lage im Alltag souverän halten, eine grundlegende Neuausrichtung aber kaum zutrauen. Diese beiden Befunde gehören zusammen, und sie beschreiben dasselbe Muster.
Krisenfestigkeit und Anpassungsfähigkeit sind nicht dasselbe, auch wenn die Begriffe oft vermischt werden. Krisenfestigkeit meint, eine bekannte Belastung zu überstehen und danach weiterzuarbeiten wie zuvor. Das hilft, solange die nächste Belastung der letzten gleicht. Sie tut es selten. Anpassungsfähigkeit meint etwas anderes, nämlich die Fähigkeit, das eigene Vorgehen bewusst zu verändern, bevor die Lage dazu zwingt.
Die Schweizer KMU-Studie 2026 der Universität St.Gallen, getragen vom Institut KMU-HSG und der OBT, beschreibt denselben Druck aus einer anderen Richtung. Die Planbarkeit nehme ab, weshalb die Fähigkeit zur Anpassung für KMU zur entscheidenden Kompetenz werde. Wer eine Krise gut übersteht und daraus schliesst, nichts ändern zu müssen, verwechselt Durchhalten mit Entwicklung.
Damit verschiebt sich die eigentliche Frage. Sie lautet nicht, ob ein Unternehmen weiss, was sich ändern müsste. Das wissen die meisten Geschäftsleitungen recht genau. Sie lautet, ob das Unternehmen diese Einsicht in eine verbindliche Form bringen kann.
Gestaltungsreife bezeichnet die Fähigkeit einer Organisation, eine Absicht verlässlich in Rollen, Verantwortlichkeiten und getragene Entscheidungen zu übersetzen. Fehlt diese Übersetzung, bleibt jede Strategie ein Papier, das alle kennen und niemand trägt.
Gestaltungsreife steht am Ende einer Entwicklung in vier Stufen. Am Anfang steht die Gestaltungsmotivation, der Antrieb, zu formen statt nur zu verwalten. Es folgt der Gestaltungsmut, der Entschluss, sich festzulegen, bevor jede Unsicherheit geklärt ist. Daran schliesst die Gestaltungsentwicklung an, die Arbeit, in der aus der Absicht Rollen, Prozesse und Zuständigkeiten werden. Am Ende steht die Gestaltungsreife, der erreichte Zustand, in dem die Organisation einer Entscheidung Form gibt, ohne dass dies von einer einzelnen Person abhängt.
Diese Abfolge knüpft an die Entscheidungsentwicklung an. Die Entscheidung klärt, wer bestimmt und wer einsteht. Die Gestaltung klärt, ob die Organisation der Entscheidung auch eine Gestalt geben kann. Anpassungsfähigkeit ist deshalb keine Eigenschaft, die man besitzt oder nicht. Sie ist eine Struktur, die sich aufbauen lässt.
Der erste Schritt verlangt keine neue Strategie, sondern eine ehrliche Prüfung der eigenen Reife. Wüssten in Ihrer Organisation alle, wer eine grundlegende Anpassung entscheidet, falls sie morgen nötig wäre? Hat Ihre letzte wichtige strategische Absicht klare Rollen erhalten, oder ist sie im Tagesgeschäft versickert? Und halten Sie irgendwo gerade durch, obwohl eine Entscheidung fällig wäre?
Wer hier zögert, hat selten ein Wissensproblem. Meist fehlt die Gestaltungsreife. Sie lässt sich entwickeln, in der Organisationsentwicklung, in der Arbeit an der Entscheidungsfindung und in der Begleitung von Transformation, die mehr ist als Kosmetik.
Daran arbeite ich. Seit 25 Jahren.
Gestaltungsreife ist die Fähigkeit einer Organisation, eine Absicht in Rollen, Verantwortlichkeiten und tragfähige Entscheidungen zu übersetzen. Sie zeigt sich darin, ob Veränderung verlässlich Form gewinnt, statt von einzelnen Personen abzuhängen.
Es zeigt eine im Alltag stabile, strategisch aber zögerliche Anpassungsfähigkeit. Etwa 55 Prozent der Befragten ordnen ihre Widerstandskraft im oberen Bereich ein, doch nur rund 27 Prozent trauen sich einen grundlegenden Umbau ihres Geschäftsmodells innerhalb eines halben Jahres zu. So gedämpft war die wirtschaftliche Stimmung seit der ersten Erhebung 2021 nicht.
Krisenfestigkeit ist die Fähigkeit, eine bekannte Belastung zu überstehen und danach weiterzumachen. Anpassungsfähigkeit ist die Fähigkeit, das eigene Geschäftsmodell bewusst zu verändern, bevor die Umstände dazu zwingen. Die Lücke zwischen beiden entsteht selten aus fehlendem Wissen, sondern aus fehlender Gestaltungsreife.
In vier Stufen, von der Gestaltungsmotivation über den Gestaltungsmut und die Gestaltungsentwicklung bis zur Gestaltungsreife. Praktisch entsteht sie in der Organisationsentwicklung, in der Arbeit an der Entscheidungsfindung und in der Begleitung echter Transformation, indem strategische Absichten in klare Rollen und Verantwortlichkeiten überführt werden.
Weil sich Belastungen verändern. Krisenfestigkeit hilft, solange die nächste Belastung der letzten ähnelt. Da die Planbarkeit laut der KMU-Studie 2026 der Universität St.Gallen abnimmt, wird die Fähigkeit zur bewussten Veränderung wichtiger als das blosse Überstehen.
Redaktionell geprüft und freigegeben durch Bernhard Schweizer. Für Recherche und Entwurf kamen KI-Werkzeuge zum Einsatz.
Quellen
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